Vorbereitungsklassen
Konzept für die Vorbereitungsklasse / Maßnahmen der Schule zur Integration von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungsgeschichte und Seiteneinsteigern- SE
An unserer Schule befinden sich eine Vielzahl von Kindern mit Zuwanderungsgeschichte, davon haben einige Kinder den sogenannten Seiteneinsteigerstatus. Das bedeutet, dass diese Kinder nicht in einer deutschen Schule eingeschult wurden und im Laufe eines Schuljahres in das Schulsystem aufgenommen werden. In diesem Fall wird das Kind mit einer kleinen Schultüte, der Übergabe des LOG-Buches und des individuellen Stundenplanes sowie einer bebilderten Materialliste willkommen geheißen. Meist haben diese Schüler*innen einen sehr geringen deutschen Wortschatz oder gar keine Deutschkenntnisse; teilweise sind sie gar nicht alphabetisiert.
Grundsätzlich ist jedes Kind der ALGS nach kurzer Zeit einem Klassenverband (Stammgruppe) zugeordnet. Die Zuordnung erfolgt in der Regel nach dem Alter; kann jedoch auch individuell angepasst werden. Eine erste Schulführung wird durch die Kinder der neuen Lerngruppe übernommen. Innerhalb dieser Lerngruppen wird einmal wöchentlich DemeK (Deutschunterricht in mehrsprachigen Klassen) unterrichtet. Durch
- die Artikelsensibilisierung, der Kategorisierung und Visualisierung der Wortarten,
- der Nutzung von Chunks (generatives Sprechen in den Sprachrunden) und
- dem Einsatz von Gedichten (generatives Schreiben nach poetischen Mustertexten)
haben wir ein Konzept übernommen, dass die Elemente Deutsch als Zweitsprache, Deutsch als Fremdsprache und Deutsch als Erstsprache im Regelunterricht verbindet (s. DemeK-Konzept der Bezirksregierung Köln).
Zusätzlich findet für Kinder, die als Seiteneinsteiger gekommen sind, in 14 Wochenstunden eine zusätzliche Förderung in dem mündlichen und schriftlichen Bereich innerhalb der Vorbereitungsklasse statt. Schwerpunkt ist hier die gezielte Erweiterung des mündlichen Sprachgebrauchs und die Vermittlung der Laut- Buchstaben- Zuordnung durch kurze schriftliche Übungsformen.
Der Schwerpunkt der Arbeit in der Vorbereitungsklasse liegt darauf, die Kinder für das Abhören deutscher Wörter zu sensibilisieren sowie ihnen eine überschaubare Buchstabenkenntnis an die Hand zu geben, um sich auf einfache Art schriftlich auszudrücken. Darüber hinaus wird systematisch der Grundwortschatz aufgebaut und einfache Redewendungen im Deutschen erlernt, um im Alltag zurecht zu kommen. Diese Arbeit soll im Klasseverband vertieft und die Kenntnisse gefestigt werden. Durch die regelmäßige Teilnahme an den Nebenfächern Sport, Kunst und Musik sollen die Kinder innerhalb der Peergroup zusätzlich die deutsche Sprache durch Handeln, Hören und dem sozialen Miteinander erleben und erlernen. Das Material aus der Vorbereitungsklasse sowie zusätzliches differenziertes Arbeitsmaterial stellt die Basis der individuellen Förderung im Teamteaching innerhalb der Klasse dar.
Ein Teamteaching ist unbedingt erforderlich und vermeidet Situationen, in denen die Kinder dem Unterricht in ihrer Stammgruppe durch ihre geringen Deutschkenntnisse noch nicht folgen können.
Insgesamt profitieren alle teilnehmenden Schülerinnen und Schüler durch das reduzierte, übersichtliche Material, aber auch durch den Wechsel von Förderung im Klassenverband und in der Kleingruppe sehr voneinander. Den meisten gelingt es in kurzer Zeit, einen Basiswortschatz aufzubauen, der ihnen im Alltag Sicherheit gibt und eine gute Grundlage für alle Lernsituationen bietet.
Grundlage des Konzeptes ist der Runderlass des Ministeriums für Schule und Bildung vom 6. Dezember 2023:
„Ziel der Deutschförderung ist das Erreichen des Sprachniveaus B1, orientiert am Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmen für Sprachen (GeR). Schülerinnen und Schüler, die dieses Sprachniveau erreichen, verfügen über hinreichende Deutschkenntnisse.“
Schülerinnen und Schüler, die über keine grundlegenden Kenntnisse im Lesen und Schreiben verfügen oder nicht im lateinischen Schriftsystem alphabetisiert sind oder keine oder nur eine geringe schulische Vorbildung mitbringen, können zunächst bis zu einem Jahr eine Lerngruppe zur Erstalphabetisierung besuchen.
Der Erstalphabetisierung schließt sich die weitere Deutschförderung an. Dies erfolgt in der Regel nach spätestens einem Jahr oder sobald die Schülerin oder der Schüler die Anforderungen des Sprachniveaus A1 des GeR erreicht hat und das deutsche Schriftsystem sowie Grundkompetenzen in der deutschen Sprache erworben sind.
Bis zur Zuordnung zu einem Bildungsgang soll in der Regel ein Zeitraum von zwei Jahren dann nicht überschritten werden, wenn hinreichend Deutschkenntnisse auf dem Sprachniveau B1 des GeR erreicht werden konnten.
(…) Die Zuordnung zu einem Bildungsgang soll eine möglichst endgültige Entscheidung sein, um belastende Wechsel der Schule, der Schulform oder des Bildungsgangs zu vermeiden. Die Entscheidung trifft die Klassenkonferenz unter Hinzuziehung der Lehrkräfte, die die individuelle Deutschförderung durchführen oder sie ergeht gemeinschaftlich durch die Lehrkräfte, die die neu zugewanderten Schülerinnen und Schüler unterrichten sowie das pädagogische und sozialpädagogische Personal. Eine Zuordnung ist jeweils zu Beginn des Schuljahres anzustreben, in Klasse 4 der Grundschule möglichst bis zum Ende des ersten Schulhalbjahres.
Für Schülerinnen und Schüler, für die am Ende des vierten Schuljahres ein Wechsel von der Grundschule in eine Schulform der Sekundarstufe I ansteht, soll eine Zuordnung zum Bildungsgang der Grundschule bis spätestens zum Ende des ersten Schulhalbjahres erfolgen. Schülerinnen und Schüler erhalten damit zum Schulhalbjahr ein Zeugnis mit einer begründeten Schulformempfehlung. Ein Lernstandsbericht kann dem Zeugnis beigefügt werden. Gegebenenfalls nicht bewertbare Fächer werden als „nicht bewertbar“ auf dem Zeugnis ausgewiesen. Kann zum ersten Schulhalbjahr der Klasse 4 mangels einer Zuordnung zum Bildungsgang der Grundschule keine begründete Schulformempfehlung erstellt und kein Zeugnis erteilt werden, wird die Deutschförderung im nachfolgenden Schuljahr längstens bis zur Vollendung des 12. Lebensjahres in der Grundschule oder an der weiterführenden Schule fortgesetzt.


