Lesekonzept der GGS Astrid-Lindgren

„Lesen ist ein grenzenloses Abenteuer der Kindheit“ (Astrid Lindgren)
Vorwort
Lesen bedeutet weit mehr als das bloße Entziffern von Buchstaben und Wörtern – es eröffnet neue Welten, weckt Fantasie, fördert Empathie und legt die Grundlage für selbstbestimmtes Lernen und gesellschaftliche Teilhabe. Besonders in der Grundschule wird der Grundstein für eine nachhaltige Lesekompetenz gelegt. Dabei ist es unser vorrangiges Ziel, bei unseren Schülerinnen und Schülern die Freude am Lesen zu wecken und die Lesekompetenz zu stärken.
Für uns an der Astrid-Lindgren-Schule ist Lesekompetenz weit mehr als eine schulische Fertigkeit – sie ist der Zugang zur Welt.“ In Anlehnung an die Vorgaben des Lehrplans NRW verfolgen wir ein ganzheitliches Lesekonzept, das gezielt auf die individuellen Bedürfnisse unserer Kinder eingeht. Im Mittelpunkt steht dabei stets die Lesemotivation – denn nur wer gerne liest, liest auch häufig und mit wachsender Sicherheit. Mit dem Erlass des Ministeriums für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen vom 22. Juni 2023 („Ab dem Schuljahr 2023/24 wird eine verbindliche Lesezeit von 3 x 20 Minuten bei Fortbestand der Stundentafel in allen Schulen der Primarstufe eingeführt.“) wird auf das Ergebnis der IGLU-Studie („Jeder vierte Viertklässler kann nicht richtig lesen!“) reagiert und dem Lesen ein erhöhter Stellenwert im Unterricht der Grundschule zugewiesen. Auch wir als Schule haben uns daraufhin neu aufgestellt und dieses umfassende Lesekonzept entwickelt.
Unser Lesekonzept setzt auf vielfältige, altersgerechte und ansprechende Angebote, die die Kinder neugierig machen und sie ermutigen, sich mit Texten aktiv auseinanderzusetzen. Nicht nur in den obligatorischen Lesezeiten, sondern auch in der gemütlichen Schulbücherei, im Klassenraum, in Projekten oder bei Vorleseaktionen werden Erfahrungsräume geschaffen, in denen sich Kinder als erfolgreiche Leserinnen und Leser erleben können.
Die Identifikationsfigur unserer Schule, Astrid Lindgren, deren Geschichten Generationen von Kindern bewegt haben, ist uns dabei nicht nur Namensgeberin, sondern auch Inspiration: Ihre Bücher zeigen, wie sehr Geschichten das Denken und Fühlen von Kindern ansprechen – und wie bedeutend eine kindgerechte Sprache für die Entwicklung von Lesefreude ist.
Mit diesem Lesekonzept möchten wir als Kollegium, gemeinsam mit Eltern, außerschulischen Partnern und natürlich den Kindern selbst, eine lebendige Lesekultur gestalten, die unsere Schule prägt und unsere Schülerinnen und Schüler auf ihrem Bildungsweg stärkt.
Lehrplanbezug
Das Lesekonzept unserer Grundschule orientiert sich am Kernlehrplan Deutsch für die Primarstufe in Nordrhein-Westfalen. Im Kompetenzbereich „Lesen – mit Texten und Medien umgehen“ wird Lesen als ein eigenaktiver Prozess der Sinnkonstruktion verstanden, der von vielen Faktoren abhängt. Um den Sinn eines Textes konstruieren zu können, müssen Buchstaben und Wörter erkannt und Wortbedeutungen erfasst werden. Semantische und syntaktische Relationen zwischen Sätzen müssen aufgebaut und satzübergreifende Bedeutungseinheiten konstruiert werden. (siehe Schulministerium NRW)
Ziel ist es, die Fähigkeit zum genießenden, selektierenden und kritischen Lesen zu entwickeln sowie die selbstbewusste und interessengeleitete Auswahl geeigneter Texte und Medien anzuregen. Lesen ermöglicht Schülerinnen und Schülern, sich die Welt zu erschließen und ist somit eine Schlüsselfunktion für erfolgreiches Lernen.
Unser Lesekonzept orientiert sich somit an den folgenden Kompetenzerwartungen des Kernlehrplans NRW für das Fach Deutsch – Lesen:
Bereich: Lesen – mit Texten und Medien umgehen
Schwerpunkt: Über Lesefähigkeiten verfügen
| Kompetenzerwartungen am Ende der Schuleingangsphase | Kompetenzerwartungen am Ende der Klasse 4 |
|---|---|
| Die Schülerinnen und Schüler erlesen kurze schriftliche Arbeitsaufträge und Anleitungen und handeln danach (z. B. Bastelanleitungen, Rezepte) | Die Schülerinnen und Schüler verstehen schriftliche Arbeitsanweisungen und handeln selbstständig danach |
| lesen kurze altersgemäße Texte und beantworten Fragen zum Text | finden in Texten gezielt Informationen und können sie wiedergeben |
| wählen aus Lesekisten, Klassen- oder Schulbüchereien Texte zum eigenen Lesen aus | wählen Texte interessenbezogen aus und begründen ihre Entscheidungen |
Bereich: Lesen – mit Texten und Medien umgehen
Schwerpunkt: Über Leseerfahrungen verfügen
Bereich: Lesen – mit Texten und Medien umgehen
Schwerpunkt: Texte erschließen/Lesestrategien nutzen
Bereich: Lesen – mit Texten und Medien umgehen
Schwerpunkt: Texte präsentieren
| Kompetenzerwartungen am Ende der Schuleingangsphase | Kompetenzerwartungen am Ende der Klasse 4 |
|---|---|
| Die Schülerinnen und Schüler tragen kurze Texte auch auswendig vor (z. B. Gedichte) | Die Schülerinnen und Schüler gestalten sprechend und darstellend Texte (auch) auswendig (z. B. Geschichten, Dialoge, Gedichte, Szenen) |
| können kurze bekannte Texte vorlesen | stellen Kinderbücher vor und begründen deren Auswahl |
| wirken bei Aufführungen mit (z. B. Hand- oder Stabpuppenspiel) | wirken bei Lesungen und Aufführungen mit |
Bereich: Lesen – mit Texten und Medien umgehen
Schwerpunkt: Mit Medien umgehen
Lesekompetenz
Lesen zu können ist eine wichtige Grundlage für das Lernen in der Schule und für das Leben in der Welt. Wer gut lesen kann, versteht Texte leichter, kann sich neues Wissen aneignen und sich mit anderen über Bücher, Geschichten oder Sachtexte austauschen. Damit Kinder zu sicheren und begeisterten Leserinnen und Lesern werden, müssen sie verschiedene Fähigkeiten lernen und üben. Dazu gehören das genaue und flüssige Lesen, das Erkennen von Wörtern und Lauten sowie das passende Vorlesen mit richtiger Betonung. Diese Teilfähigkeiten bauen aufeinander auf und werden im Unterricht gezielt gefördert.
Lesegenauigkeit
Die Lesegenauigkeit bildet die Grundlage für ein sinnverstehendes Lesen. Sie beschreibt die Fähigkeit, Wörter fehlerfrei und vollständig zu erfassen und wiederzugeben. Fehler beim Lesen – wie Auslassen, Ersetzen oder Vertauschen von Buchstaben und Wörtern – beeinträchtigen das Textverständnis und können zu einer dauerhaften Leseschwäche führen. Eine hohe Lesegenauigkeit ermöglicht es den Lernenden, sich auf die Inhalte eines Textes zu konzentrieren, anstatt mit der Worterkennung beschäftigt zu sein. Zur Förderung dieser Kompetenz eignen sich gezielte Übungen im Silbenlesen, wiederholendes Lautlesen sowie Lesetandems.
Lesegeschwindigkeit
Lesegeschwindigkeit bezeichnet das flüssige, automatisierte Lesen von Wörtern, Satzteilen und ganzen Texten. Sie steht in direktem Zusammenhang mit dem Leseverständnis: Nur wer ausreichend schnell liest, kann den Sinn größerer Texteinheiten erfassen und verarbeiten. Eine zu geringe Lesegeschwindigkeit führt zu einem hohen kognitiven Aufwand, der das Textverstehen erschwert. Zielgerichtete Maßnahmen wie regelmäßige Lautlesetrainings, Wiederholungslesen oder der Einsatz digitaler Tools zur Leseflüssigkeit können hier wirksam unterstützen.
Dekodierung
Die Dekodierung beschreibt den Prozess, bei dem geschriebene Buchstaben und Buchstabenkombinationen in sprachliche Laute und sinnvolle Wörter „übersetzt“ werden. Eine sichere Dekodierfähigkeit ist besonders in der Anfangsphase des Lesenlernens bedeutsam, da sie als Basis für die Automatisierung von Worterkennung dient. Schülerinnen und Schüler sollen durch systematische Übungen – z. B. im Bereich der phonologischen Bewusstheit oder der Graphem-Phonem-Korrespondenzen – zu einer schnellen, korrekten Worterkennung befähigt werden. Digitale Lernprogramme, die phonologische und orthographische Strukturen vermitteln, können dabei eine hilfreiche Ergänzung darstellen.
Prosodie
Prosodie umfasst die sprachliche Gestaltung des Vorlesens, also Intonation, Betonung, Pausenstruktur und Sprechrhythmus. Eine ausgebildete Prosodie trägt wesentlich zum Textverständnis bei, da sie semantische und syntaktische Informationen hörbar macht. Schülerinnen und Schüler, die prosodisch lesen, zeigen in der Regel ein höheres Textverständnis. Zur Förderung der Prosodie sind Methoden wie das wiederholende Lautlesen, das Vorlesen in Partnerarbeit oder das Aufnehmen und Anhören der eigenen Lesebeiträge besonders geeignet.
Lesestrategien entwickeln
Um die Lesekompetenz der Schülerinnen und Schüler nachhaltig zu fördern, werden an unserer Grundschule gezielt Lesestrategien vermittelt und im Unterricht verankert. Die Kinder lernen mit unterschiedlichen Textsorten umzugehen, indem sie Z,B Vorhersagen treffen, wichtige Informationen markieren, Frage an den Text stellen und Inhalte in eigenen Worten wiedergeben. Diese Strategien werden altersgemäß eingeführt, geübt und durch regelmäßige Leseanlässe vertieft.Ziel ist es, das verstehende Lesen zu fördern und die Kinder zu selbstständigen reflektierten Leser*innen zu entwickeln.
Lesebaum der GGS Astrid-Lindgren

Der Lesebaum veranschaulicht die Entwicklung der Lesekompetenz als wachsenden Prozess. Die Wurzeln bilden grundlegende Fähigkeiten wie das Hören von Lauten, das Schwingen von Silben und Wörtern sowie das Erkennen von Reimen als Voraussetzung für den weiteren Leselernweg. Auf dieser Basis trainieren fortlaufend die Lesetechnik und verbessern ihre Leseflüssigkeit, um in ihrer Rolle als Leser*in gestärkt zu werden.
Die Äste und Blätter stehen für weiterführende Lesefertigkeiten wie genaues, flüssiges und sinnentnehmendes Lesen. Gleichzeitig umfasst der Lesebaum auch die Auseinandersetzung mit Texten, das Stellen von Fragen und den Austausch über Gelesenes.
Insgesamt zeigt der Lesebaum, dass Lesen als individuellen Entwicklungsprozess ist, bei dem Kinder ihre Fähigkeiten kontinuierlich erweitern, reflektieren und vertiefen.
Elemente der Leseförderung
Unsere Leseförderung basiert auf einem mehrstufigen Konzept, das Unterricht, Zusatzangebote und außerschulische Lesewelten miteinander verbindet. Ziel ist es, Lesen nicht nur zu in den im Stundenplan verankerten Zeiten (3*20 Minuten Lesezeit)zu lehren, sondern als festen Bestandteil des schulischen Alltags zu verankern.
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Leseförderkonzept für die GGS Astrid Lindgren
| Elemente der Leseförderung | Instrument/Verfahren/Strategien, die verbindlich für die Schule vereinbart sind. |
| 1. Dekodierfähigkeit/ Leseflüssigkeit | Tintohaus (½) STIFT- Kartei: Fahrstuhllesen (1/2) Silbenteppich (1/2) Monsternamen (1/2) Lesewürfel (3/4) Laut-Lese-Tandem (3 /4) Hörbuchlesen (3/4) Chorisches Lesen (1-4) Vorlesetheater (3/4) Stopplesen (¾) usw. (siehe Ordner) Leßmann-Materialien LEON : -Laut-Lese-Räume |
| 2. a) Einüben von Lesestrategien | s.STIFT- Kartei Leseschieber (1/2) Lesepilot (3/4) Lesestrategietraining (3/4) Lesekonferenz (4) Freies Lesen in Büchern Antolin Buchvorstellung/ Leserahmen |
| 3. b) Einsatz der Lesestrategien in allen Fächern | Lesespaziergänge (½) Lesespurgeschichten (2-4) Sachtexte (Plakate, Steckbriefe erstellen) |
| Lesemotivation/Selbstkonzept | Lesetüte als Willkommensgeschenk im ersten Schuljahr Vorlesetage (zweimal jährlich) mit Lesecafe Einmal wöchentlich Vorlesezeit in der Bücherei Viermal wöchentlich Lesepause, davon einmal wöchentlich Lesepause im grünen Klassenzimmer Büchereizeiten zum Ausleihen Lesezeit mit Paten Freie Lesezeit mit freier Textauswahl in der Lernzeit (3/4) Leseprojekte (Leserolle o.ä.) Lesen mit Balu (Schulhund) wechselnde Buchausstellung öffentliche Lesungen von Kindern für Kinder (in Planung) |
| Entwicklung des schuleigenen Leseförderkonzeptes | Evaluation im Schuljahr 26/27 |
Lesezeit: 3×20 Minuten
Regelmäßiges und gezieltes Lesen ist ein zentraler Baustein der Leseförderung an unserer Grundschule. Mit dem verbindlichen Konzept „3 x 20 Minuten Lesezeit“, welches im Stundenplan jeder Klasse fest verankert ist, schaffen wir regelmäßige Lesezeiten im Schulalltag, um das sinnentnehmende Lesen, die Leseflüssigkeit und die Lesemotivation unserer Schülerinnen und Schüler nachhaltig zu fördern.
Dreimal pro Woche wird im Klassenverband jeweils 20 Minuten intensiv gelesen – in einer ruhigen Atmosphäre und mit passenden Materialien, die dem individuellen Leseniveau der Kinder entsprechen. Ob stille Lesezeit mit eigenen Büchern, gezielte Lesetrainings mit differenzierten Texten oder gemeinsame Lektüre in der Gruppe: Die regelmäßige Lesezeit bietet vielfältige Zugänge zur Welt der Geschichten und Sachtexte.
Diagnostik/ Leistungsbewertung
Die Diagnostik erfasst regelmäßig den individuellen Leistungsstand der Schüler*innen durch festgelegte Verfahren, die an die jeweilige Jahrgangsstufe angepasst sind. Dazu gehören Beobachtungen, standardisierte Lesetests, Lautleseprotokolle und additiv seit dem Schuljahr 2025/2026 im Zuge des BISS-Programmes Lesetandemtrainings mit dazugehörigen Pre- und Posttests. Die Leistungsbewertung orientiert sich an den oben genannten Lesekompetenzen. Ziel ist eine gezielte Förderung und Stärkung der Lesemotivation.
| 1. Regelmäßige Leselernstandsermittlungen | Leseflüssigkeit: Stufe 1: SLRT (April) Thefobe Stufe 2: SLRT (Sept & April), BISS Pre-/Posttest (1. & 2.Hj.) Stufe 3: LDL (Nov) oder durchgängig SLRT ??? BISS Pre-/Posttest (1. & 2.Hj.) Stufe 4: LDL (Sept) BISS Pre-/Posttest (1. & 2.Hj.) Additiv: Stolperwörtertest |
Ausblick
Der Lesebaum bildet die Grundlage für die Weiterentwicklung unseres Lesekonzepts an der Astrid-Lindgren-Schule. Auch in Zukunft verstehen wir Lesen als einen individuellen Wachstumsprozess, der kontinuierlich begleitet und gefördert wird. Ziel ist es, alle Kinder entsprechend ihrer Lernvoraussetzungen zu stärken – von den grundlegenden Vorläuferfähigkeiten bis hin zum sicheren, verstehenden und reflektierten Lesen.
Wir werden bewährte Maßnahmen weiterführen und gezielt ausbauen. Dazu gehören regelmäßige Lesezeiten im Unterricht, differenzierte Förderangebote sowie vielfältige Möglichkeiten zum Austausch über Gelesenes. Der Lesebaum dient dabei weiterhin als Orientierungshilfe, um Lernfortschritte sichtbar zu machen und individuelle Ziele zu entwickeln.
Darüber hinaus streben wir an, die Lesemotivation der Schülerinnen und Schüler nachhaltig zu fördern – durch eine anregende Leseumgebung, die Einbindung vielfältiger Texte sowie gemeinsame Leseerfahrungen im schulischen Alltag. Auch die Zusammenarbeit mit Eltern sowie außerschulischen Partnern*innen soll weiter gestärkt werden, um Lesen als festen Bestandteil der Lebenswelt der Kinder zu verankern.
So wächst unser Lesebaum weiter – mit dem Ziel, alle Kinder auf ihrem Weg zu kompetenten, selbstbewussten und begeisterten Leserinnen und Lesern zu begleiten.


