ich, du, wir – füreinander – miteinander – Wir gestalten gemeinsam unser Lernzuhause!

Individuelles Fördern und Fordern
Das Förder- und Forderkonzept der Astrid-Lindgren-Schule

    Bereits seit 1989 wurde an der Schule im Sinne der integrativen Schule der Gemeinsame Unterricht durchgeführt. Mit dem Beitritt der BRD zu der UN Konvention, die im Artikel 24 ein inklusives Bildungssystem fordert, veränderte sich noch einmal das Bildungssystem (9. Schulrechtsänderungsgesetz). Der Gemeinsame Unterricht wurde durch das Gemeinsame Lernen erweitert und ein Wechsel von der Integration zur Inklusion fand statt.

    Das bedeutet, dass an unserer Schule Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf und besonderem Förderbedarf (DifeS) gemeinsam mit allen anderen Kindern in der Regelklasse unterrichtet werden. Gleichwohl werden auch Kinder, die besonders gefordert werden müssen, bedacht.

    Im Masterplan Grundschule heißt es: „Unterrichten ist herausfordernder geworden. Der Anspruch an die Lehrkräfte ist gestiegen. Sie sollen durch ihre Arbeit Schülerinnen und Schüler motivieren, herausfordern, individuell fördern, auf die Vielfältigkeit und Besonderheiten in der Entwicklung und den Lebensbedingungen eingehen und Lernprozesse gestalten, in denen jedes einzelne Kind seine beste Leistung erbringen kann. Diesem Anspruch können Lehrkräfte besonders in Teams gerecht werden, die sich aus verschiedenen Professionen zusammensetzen. Für eine umfassende individuelle Unterstützung von Kindern braucht es unterschiedliche Fachkompetenzen, die optimal zusammengeführt eine stärkende Begleitung der Lernenden (fördernd und fordernd) ermöglichen.“

    Wir nehmen diesen Auftrag an die Grundschule sehr ernst, alle Kinder gleichermaßen zu fordern, zu fördern und trotz großer individueller Unterschiede gemeinsam lernen zu lassen. Diese inklusive Arbeit sorgt dafür, dass Kinder in unserer Schule lernen, mit den unterschiedlichsten Menschen umzugehen und Andersartigkeit als Vielfalt zu erleben.

    Im Gemeinsamen Lernen unserer Schule werden Schüler*innen mit allen Förderschwerpunkten gefördert, sofern es die personellen und räumlichen Rahmenbedingungen zulassen. Kinder mit massiven Sinnesschädigungen oder körperlichen Beeinträchtigungen, die pflegerische oder motorische Hilfsmittel benötigen, finden in unserem Schulgebäude aufgrund der Bauart und der mit dem Denkmalschutz verbundenen Einschränkungen hinsichtlich baulicher Veränderungen keinen optimalen Förderort vor. Wir stehen jedoch in einem engen Austausch mit den inklusiven Nachbarschulen, so dass wir stets versuchen, hier den Schüler*innen einen geeigneten Förderort anzubieten.

    Unsere Schule ist nach dem RTI-Modell (Responce to intervention) ausgerichtet. Der Begriff „Response-to-Intervention“ (RTI) bezeichnet einen präventiven und inklusiven Beschulungsansatz. Es gilt, den Unterricht so zu gestalten, dass jeder Schüler und jede Schülerin in ausreichendem Maß profitiert. Überprüft wird dies durch die Reaktionen sowie die Lern- und Entwicklungsschritte der Kinder (Response) auf die pädagogischen Angebote / Maßnahmen (Intervention).

    Auf Stufe I werden die Prinzipien des Classroommanagements klassendeckend angewandt. Hierzu zählt neben dem Raumkonzept auch die inhaltliche Strukturierung (feste Rituale, bewusste Phasenwechsel, Bewegungspausen, Bewegungskisten und Gleichgewichtskalender…), die allen Kindern Sicherheit und Raum für Selbsttätigkeit geben sollen. Den Kindern stehen je nach Absprache in den Stufen Hilfetische oder Hilfeklammern als Hilfssystem zur Verfügung. Alle verbindlichen und wichtigen Informationen zur Lerngruppe werden zu Beginn des Schuljahres im Klassenteam besprochen und im Teambuch für alle festgehalten. So kann auch eine Vertretungslehrkraft die Strukturen der Lerngruppe übernehmen. Alle Kinder erhalten ab dem ersten Schuljahr im Rahmen des Deutschunterrichtes DemeK, um sprachliche Defizite aufzuarbeiten und die deutsche Sprache als gemeinsame Unterrichtssprache zu festigen. Benötigt ein Kind intensivere Unterstützung in der deutschen Sprache, so nimmt es stundenweise in Absprache aller Beteiligten am Unterricht der Vorbereitungsklasse teil.

    In enger Zusammenarbeit unterrichten die Grundschullehrer*innen mit der Sonderpädagogin und der Schulsozialpädagogin die Kinder in der Schuleingangsphase.

    Seit dem Schuljahr 2024/25 sind die Räume der Schuleingangsphase nach dem Churer Modell eingerichtet. Die Kinder können sich so ihren individuellen Lernort je nach Lerninhalt suchen, können jedoch auch an festen Plätzen arbeiten. Ein weiteres Merkmal des Churer Modells ist die freie Wahl des Lernpartners/der Lernpartnerin. Durch diese Öffnung wurden auch die Lernzeiten verändert und die Kinder je nach nach Kompetenzstufe in Erde- Mond oder Sonnenkinder eingeteilt (s. Lernzeitenkonzept).

    Im ersten Schuljahr findet bis zu den Herbstferien eine Überprüfung im motorischen Bereich statt. Diese Diagnostik erfolgt in Kleingruppen und wird von einer Sportlehrerin und der Schulsozialpädagogin durchgeführt. Kinder, deren motorischen Fähigkeiten nicht altersgerecht entwickelt sind, nehmen dann am Sportförderunterricht teil (Stufe 2). Eltern, deren Kinder besondere motorische Fähigkeiten zeigen, werden bezüglich Fordermöglichkeiten beraten. Ebenso findet im Klassenverband eine Überprüfung der mathematischen Fähigkeiten bis zu den Herbstferien statt, um ggf. Kleingruppenförderungen anbieten zu können (Stufe 2).

    Im Fach Deutsch wird die Hamburger Schreib-Probe (HSP) zur Überprüfung Rechtschreibung genutzt, für die Lesefähigkeit insbesondere der Leseflüssigkeit stehen für die gesamte Lerngruppe das eigene schulinterne Lesescreening sowie die Lernfortschrittssdiagnostik Lesen (LDL) zur Verfügung. Der Der SLRT II (Lese- und Rechtschreibtest) wird zur Überprüfung der Rechtschreib- und Lesefähigkeit genutzt.

    Im dritten und vierten Schuljahr wird der Unterricht und die damit verbundene Förderung und Forderung von der Klassenlehrerin, einem*r Sonderpädagog*in und einem*r Fachlehrer*in fortgeführt.

    Wesentliche Merkmale des Klassenunterrichtes sind:

    – Lernförderliches Klassenklima, freundlich-anerkennender Lehrerstil

    – Inhaltliche Klarheit

    – Methodenvielfalt

    – Beachtung der individuellen Lernausgangslagen

    – Lernen mit allen Sinnen

    – Lernen durch Handeln

    – Werkstatt- und Projektarbeit

    – Wechsel von Sozialformen

    – Kommunikatives Lernen

    – Lernen durch verstärkte Partizipation

    – Verantwortungsübergabe auch an herausfordernde Schüler*nnen

    – differenzierte Wochenpläne

    Die Teamarbeit kann in den verschiedenen Formen des Team Teachings durchgeführt werden:

    Sowohl die zielgleiche (Lehrplan nach der AOGS) als auch die zieldifferente (Lehrplan nach der AO-SF) Beschulung kann im Teamteaching erfolgen. Der offene Anfang und die Freiarbeit, welche in allen Klassen feste Bestandteile darstellen, sowie die Lernzeiten (s. Lernzeitenkonzept) bieten sich für die innere Differenzierung und das selbstregulierte Lernen auf unterschiedlichen Kompetenzstufen besonders an. Gleichwohl können Lerntheken, Stationen und Werkstätten mit differenziertem Material, was sich am individuellen Leistungsstand orientiert, ebenso unterschiedliche Bildungsgänge berücksichtigen und Kinder können am selben Thema zur selben Zeit arbeiten. Das teambezogene Handeln im Unterricht beinhaltet Absprachen über Aufgabenteilung und Rollenwechsel

    • im täglichen Unterrichtsalltag
    • in der Elternarbeit und bei außerschulischen Kontakten.

    Die auf Ebene I durchgeführten Überprüfungen und Beobachtungen in den sprachlichen, mathematischen und motorischen Bereichen dienen einerseits der passgenauen Differenzierung im Klassenverband, andererseits sind sie die Grundlagen für die Kleingruppenförderung, die sich auf Stufe II befindet. In Lerneinheiten, die außerhalb des Klassenraumes parallel zum Klassenunterricht stattfinden, wird auf die individuellen Schwierigkeiten und Lernrückstände eingegangen und versucht, diese Rückstände aufzuarbeiten. Für diese Förderung stehen sowohl zwei Förderräume als auch die Lerninseln zur Verfügung. Aufgrund der engen Teamarbeit und Themenabsprache innerhalb einer Stufe ist diese Förderung nicht nur klassen- sondern auch stufenintern möglich. Die Durchführung der Kleingruppenförderung wird stufenintern abgesprochen und ist nicht an eine Profession gebunden. Durch engmaschige und intensive Lernbeobachtungen ist die Kleingruppenkonstellation in einer stetigen Veränderung. Alle Maßnahmen werden in DiFeS (Dokumention individueller Förderung eines*r Schüler*in) festgehalten und mit den Eltern besprochen.

    So nehmen zum Beispiel Kinder im vierten Schuljahr, die noch nicht das Seepferdchen erlangt haben, am Schwimmförderunterricht (s. Schwimmförderkonzept) teil.

    Seit dem Schuljahr 25/26 werden in der SEP bei Kindern, die auf die Vorläuferfähigkeiten im sprachlichen Bereich offensichtlich noch nicht zurückgreifen können, mit dem informellen Screening von STIFT überprüft. Im Anschluss werden in Kleingruppen die diagnostizierten Defizite gezielt gefördert bzw. ggf. noch standardisierte Testungen in einzelnen Bereichen wie z.B. Benennungsgeschwindigkeit durchgeführt (Stufe 2).

    Eine weitere Förderung erfolgt nach der Auswertung der VERA-Ergebnisse. Kinder, deren Fähigkeiten in den Kompetenzstufe 1 und 2 anzusiedeln sind, werden klassenübergreifend in Fördergruppen zusammengefasst und erhalten in einer Doppelbesetzung individuellen Unterricht.

    Kinder mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche erhalten für die Freiarbeit spezielles Fördermaterial und werden einmal wöchentlich in der Doppelbesetzung individuell gefördert.

    Kinder, die ihre Lernrückstände abbauen konnten, nehmen wieder durchgängig am Klassenunterricht teil. Schüler*innen, die trotz Kleingruppenförderung weiter Lernrückstände entwickeln, werden auf Stufe 3 in der Einzelförderung unterrichtet.

    Die Förderung auf Stufe 3 wird von der Sonderpädagogin verantwortlich vorbereitet und ist zeitlich, methodisch und inhaltlich individuell ausgerichtet. Es werden individuelle Lehrgänge und Lehrwerke wie z.B. Intra Act und Klick genutzt, um das Kind optimal zu fördern. Die sonderpädagogischen Unterstützungsmaßnahmen können von jeder Person des Klassenteams durchgeführt werden und sind im Rahmen von DiFeS oder einem AO-SF (Ausbildungsordnung sonderpädagogischer Förderung) in individuellen Förderplänen dokumentiert.

    Zur Überprüfung eines sonderpädagogischen Förderbedarfes stehen unterschiedlich Test- und Überprüfungsmaterial zur Verfügung, die durch die Leitfäden des Schulamtes der Stadt Köln genehmigt sind:

    FörderschwerpunktTestmaterial
    LernenSON-R IDS 2
    SpracheTROG-D Muse Pro HASE HSP LDL SLRT-II
    Emotionale und soziale EntwicklungSDQ LSL SEVE IDS 2

    Grundsätzlich gilt, dass

    • das gesamte Klassenteam (KL, FL Sopäd / Sozpäd) gemeinsam für den Unterricht UND die Erziehung verantwortlich sind
    • ein Unterrichtsthema verschiedene Lernzugänge zulässt
    • so viel gemeinsam und so wenig getrennt wie möglich unterrichtet wird

    Die pädagogische Beurteilung und Bewertung ist den individuellen Bedürfnissen der Schüler*innen mit (sonderpädagogischem Förderbedarf) angepasst und wird in Förderplänen, Lernberichten oder Berichtszeugnis ggf. mit Noten etc. festgehalten.

    Neben dieser individuellen Förderung werden Kinder mit besonderen Fähigkeiten gefordert. In stufenübergreifenden Kleingruppen nehmen sie einmal wöchentlich am Forderunterricht Mathematik außerhalb der Lerngruppe statt und bearbeiten individuelle Aufgaben. Sie werden motiviert, an inner- und außerschulischen Wettbewerben teilzunehmen. Zudem haben sie jederzeit Zugriff auf Fermiaufgaben, die regelmäßig im Schaukasten im Treppenhaus ausgehängt werden.

    Die Förderung der leistungsstarken Schüler*innen erfolgt zudem über das Freiarbeitsmaterial. Es steht den Kindern in der Stufe 3 und 4 Knobelaufgaben, Forderhefte im Lehrwerk Denken und Rechnen sowie individuelle Arbeitshefte zur Verfügung, die in eigenem tempo bearbeitet werden können. Im Stundenplan sind zudem zwei Forderstunden in Mathematik verankert. Im Fach Deutsch stehen ebenfalls individuelle Selbstlernhefte für leistungsstarke Schüler*innen in der Freiarbeit zur Verfügung.

    Fördern und Fordern im Gemeinsamen Lernen umfasst alle Kinder und ist nicht begrenzt auf die Schüler*innen, denen ein sonderpädagogischer Unterstützungsbedarf beschieden wurde.

    Die Erfahrungen haben gezeigt, dass das Gemeinsame Lernen zum Vorteil für alle Kinder sein kann. Kinder können viel voneinander und miteinander lernen, wenn wir ihnen Raum, Zeit und Hilfen geben.